US-Abkehr von Klimaschutz: EU hofft auf mehr Investitionen

19.03.2025 08:27

Investitionen für den grünen Wandel der Wirtschaft könnten wegen
Trumps Signalen in Sachen Klimaschutz in den USA weniger werden, sagt
der EU-Energiekommissar - und verbindet damit Hoffnung.

Brüssel (dpa) - Nach der Abkehr der US-Regierung von Präsident Donald
Trump vom Pariser Klimaabkommen hofft die EU auf mehr Investitionen
für die grüne Transformation der Wirtschaft in Europa. «Der
Klimawandel wird nicht verschwinden, also muss jemand vortreten, wenn
andere zurücktreten, und das ist definitiv eine Vision von uns»,
sagte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen in einem Interview des
Nachrichtenagentur-Netzwerks European Newsroom (enr), zu dem auch die
Deutsche Presse-Agentur gehört. 

Brüssel hoffe, dass sich die Investitionen - die sich wegen der von
Trump ausgesandten Signalen abwendeten - auf Europa konzentrieren
werden. «Das ist auch eine Chance für uns», sagte Jørgensen.
Präsident Trump hatte angeordnet, dass die USA aus dem Pariser
Klimaschutzabkommen zur Begrenzung der Erderwärmung aussteigen. 

Drei Prioritäten

Die Dekarbonisierung Europas stehe weiterhin ganz oben auf der
Agenda, sagte Jørgensen weiter. Weitere Prioritäten seien die
Unabhängigkeit von Energieimporten aus Russland sowie das Senken der
in der EU vergleichsweise hohen Energiepreise. 

Alle drei Ziele ließen sich mit den gleichen Maßnahmen angehen, so
der Däne weiter: «In erster Linie geht es um den raschen Einsatz von
mehr erneuerbaren Energien, die schnelle Umsetzung von
Energieeffizienzmaßnahmen, mehr Transparenz auf dem Gasmarkt.» Ende
Februar hatte Jørgensen einen Aktionsplan für bezahlbare Energie in
der EU vorgelegt.

Weiter LNG-Importe aus den USA

Zwar stimme man mit der Trump-Administration in Klimafragen nicht
überein, so Jørgensen - die Energie-Beziehungen sollen dennoch weiter
intensiviert werden. 

Die EU werde künftig immer weniger Gas verbrauchen, es sei aber auch
klar, dass einige Industrien und Haushalte noch mehrere Jahre auf Gas
angewiesen sein werden. Es sei daher sehr wichtig, mit verschiedenen
Ländern zu sprechen. «Und hier sind die USA der absolute Schlüssel.
»
Man versuche so viel wie möglich zu diversifizieren, aber es gebe
nicht viele Alternativen. Trotz angespannterer diplomatischer
Beziehungen über den Atlantik könne man über diese Themen sprechen.

Derzeit sind Norwegen und die USA die größten Gaslieferanten der EU.