EU verhängt 460-Millionen-Kartellstrafe gegen Autobauer

01.04.2025 17:56

Autohersteller haben sich zum Nachteil von Recyclingunternehmen und
Verbrauchern jahrelang rechtswidrig abgesprochen. Sie müssen deswegen
Millionen zahlen.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission hat eine Kartellstrafe in Höhe von
rund 460 Millionen Euro gegen zahlreiche Autobauer verhängt. Sie
haben sich jahrelang an einem Kartell beteiligt, wie die
EU-Kommission mitteilte. Während VW mit rund 127 Millionen Euro die
höchste Strafe zahlen muss, trifft es BMW mit einer Strafhöhe von
rund 25 Millionen Euro. Mercedes-Benz hatte das Kartell laut
Kommission offengelegt und bekommt deswegen keine Strafe. Eigentlich
wären rund 35 Millionen fällig geworden. 

Konkret geht es um Fälle zwischen 2002 und 2017. Der Branchenverband
Acea und 16 große Autohersteller haben den Angaben zufolge
wettbewerbswidrige Vereinbarungen getroffen. Dabei hätten sie
rechtswidrige Absprachen getroffen, wonach Unternehmen beispielsweise
nicht für die Zerlegung von Altfahrzeugen bezahlt werden sollten. Die
Autobauer hätten zudem ihre individuellen Vereinbarungen mit
Autodemontagebetrieben untereinander ausgetauscht und ihr Verhalten
koordiniert. 

Zudem hätten sie vereinbart, nicht damit zu werben, wie gut ihre
Autos recycelt werden könnten, sodass Verbraucher diese Infos bei der
Wahl eines Fahrzeugs nicht berücksichtigen konnten. So sollte Druck
auf die Unternehmen verringert werden, über die gesetzlichen
Anforderungen hinauszugehen. 

Zahlreiche Hersteller betroffen

VW teilte mit: «Die Volkswagen AG nimmt die heutige Entscheidung der
Europäischen Kommission zur Kenntnis.» Das Unternehmen habe während
der gesamten Untersuchung uneingeschränkt mit der Kommission
zusammengearbeitet. 

Neben den großen deutschen Herstellern treffen die Strafen auch
zahlreiche weitere. So muss die Opel-Mutter Stellantis beispielsweise
knapp 75 Millionen zahlen, Opel selbst knapp 25 Millionen. Eigentlich
hätten die Strafen doppelt so hoch ausfallen sollen, ihnen wurde aber
Rabatt gewährt, weil sie mit der EU-Kommission zusammengearbeitet
haben. Allen Beteiligten wurde laut Kommission zehn Prozent der
Geldbußen erlassen, da sie ihre Beteiligung an dem Kartell und ihre
Haftung anerkannt hätten. 

Strafen im zweistelligen Millionenbereich mussten unter anderem auch
Ford (mehr als 40 Millionen) und Toyota (knapp 24 Millionen) zahlen.
Zudem muss der Lobbyverband Acea eine Strafe von 500.000 Euro zahlen.
Die Untersuchung habe ergeben, dass Acea das Kartell förderte, indem
der Verband zahlreiche Treffen und Kontakte zwischen den beteiligten
Herstellern organisiert habe.