Trumps gewaltiges Zollpaket - 20 Prozent auf EU-Einfuhren

02.04.2025 23:08

«Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen» - mit diesen Worten
kündigt US-Präsident Trump weitreichende neue Zölle an. Die neuen
Strafmaßnahmen sind auch eine radikale Kampfansage an die EU.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat ein gewaltiges
Zollpaket verkündet, das auch die Europäische Union hart trifft. Die
US-Regierung führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf

die meisten Importe in die Vereinigten Staaten ein. Für viele Länder
sollen je nach Handelsdefizit höhere Strafabgaben greifen, wie der
Republikaner im Rosengarten des Weißen Hauses ankündigte. Auf
Einfuhren aus der Europäischen Union in die USA sind demnach neue
Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen. 

Es ist der bisher aggressivste und folgenschwerste Schritt in der
Handelspolitik des US-Präsidenten. Dies dürfte die Weltwirtschaft im
erheblichen Maße belasten. Ein Handelskrieg mit der EU scheint nun
unausweichlich. «Sie zocken uns ab. Es ist so traurig, das zu sehen.
Es ist so erbärmlich», sagte Trump mit Blick auf die Europäer. 

Der Republikaner hatte den Tag der Verkündung vorab als «Tag der
Befreiung» angepriesen und die Verhängung wechselseitiger Zölle
angekündigt. Das bedeutet im Prinzip, dass die USA überall dort ihre
Zölle entsprechend im Verhältnis anheben, wo sie derzeit weniger
verlangen als ihre Handelspartner. Nun will er ein höchst komplexes
System einführen, das sowohl wechselseitige als auch pauschale
Strafabgaben enthält. 

Trump: Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen

Zölle in Höhe von zehn Prozent sollen universell auf Importe aus
allen Ländern in die Vereinigten Staaten gelten. Jenseits davon soll
es individuelle Strafabgaben geben, die je nach Land variieren. Dabei
werden besonders jene Länder ins Visier genommen, die aus Sicht der
USA besonders hohe Handelsbarrieren für amerikanische Produkte haben.
Trump moniert neben Zölle immer wieder andere Handelshemmnisse wie
Importvorgaben, Subventionen oder andere Regularien.

«Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die
amerikanische Industrie wiedergeboren wurde, als der Tag, an dem
Amerika sein Schicksal zurückerobert hat, und als der Tag, an dem wir
begonnen haben, Amerika wieder reich zu machen», sagte Trump.
«Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt,
vergewaltigt und ausgeplündert, von nahen und fernen Nationen, von
Freunden und Feinden gleichermaßen.» Dies sei nun vorbei. Trump
sprach von einem der wichtigsten Tage in der US-Geschichte. Das
«goldene Zeitalter» der USA komme zurück.

Trump setzt seit dem Wiedereinzug ins Weiße Haus - ähnlich wie in
seiner ersten Amtszeit - auf Zölle. Er verhängte bereits Strafabgaben
auf alle Aluminium- und Stahlimporte, brachte Zölle in Höhe von 25
Prozent auf importierte Autos und Autoteile auf den Weg, führte
erhöhte Zölle auf alle Waren aus China ein und nahm seine Nachbarn
Kanada und Mexiko ins Visier. Gerade die Autozölle treffen Europa und
den deutschen Markt schwer.

Zölle haben Folgen für Verbraucher

Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Sie muss vom
importierenden Unternehmen gezahlt werden - in diesem Fall also von
den Unternehmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die
importierenden Unternehmen die höheren Kosten nicht einfach selbst
übernehmen. Sie dürften sie an die Verbraucher weitergeben - die
Preise steigen so, die Inflation könnte wieder angeheizt werden.
Trumps Ziel ist, US-Unternehmen davon abzuhalten, Produkte aus dem
Ausland einzuführen. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA
fördern. 

Da mit Gegenzöllen gerechnet wird und auf die exportierenden
Unternehmen Umsatzeinbußen zukommen dürften, könnte dies zu einem
Rückgang der Produktion und möglichen Stellenstreichungen führen, was

die Wirtschaft insgesamt belasten kann. Ein eskalierender
Handelskonflikt zwischen den USA und der EU wird daher auch für
deutsche Verbraucher deutlich spürbare Auswirkungen haben. Die
deutsche Chemieindustrie mahnte bereits zu einem «kühlen Kopf» und
warnte vor einer Eskalationsspirale, die den Schaden nur vergrößern
würde.

EU ist Trumps Dauerrivale

Immer wieder wettert Trump bei öffentlichen Auftritten vor allem
gegen die EU. Grundsätzlich ist es Trump ein Dorn im Auge, dass
europäische Unternehmen deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als
amerikanische Unternehmen in der EU. Die bereits bekannten US-Zölle
auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren sowie Autoimporte hatten den
Handelsstreit mit den Europäern bereits angeheizt. Die neuen
Strafabgaben könnten das Fass zum Überlaufen bringen und zu heftigen
Gegenmaßnahmen aus Brüssel führen. Denn die Situation schaukelt sich

bereits seit Wochen hoch. Dann dürften einzelne Produkte auch in
Deutschland bald teurer werden. 

Ansage vor besonderer Kulisse

Für seine Zoll-Ankündigung wählte Trump nun nicht irgendeinen Ort,
sondern den Rosengarten. Es war die erste Veranstaltung des
Republikaners in dem berühmten Garten direkt neben dem Oval Office
nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus. Trump hat Zölle in der
Vergangenheit als sein Lieblingswort bezeichnet und schon in seiner
ersten Amtszeit diverse Strafabgaben eingeführt. 

Er will mit Zöllen Handelsungleichgewichte korrigieren und mehr
Produktion in die USA verlagern. Außerdem dürfte der US-Präsident mit

der Verhängung der Zölle Stärke demonstrieren wollen, denn anderen
Ländern wirft er vor, sein Land auszunutzen. Gleichzeitig könnten die
Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen umfassender
Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren. Zölle dienen
dem Republikaner auch als Druckmittel, um in Verhandlungen mit
anderen Ländern seine Ziele zu erreichen.